Abschied aus Bremen

Die letzten Tage in Bremen waren anstrengend – Wohnungsübergabe, Transport der letzten Möbel und Kisten, Verstauen der letzten Sachen an Bord, Montage der Solarpaneele und der Einkauf der letzten Ersatzteile sowie des Proviants fielen auf wenige Tage zusammen. Und bis wenige Tage vor Abfahrt auch noch Alles nach Feierabend. Aber pünktlich zu Annes 30. Geburtstag hieß es dann endlich am 07.07.2021 „Leinen los“ in Richtung Emden.

In Annes Heimatstadt soll die KISS ein letztes Mal an Land gehoben werden, bevor es dann richtig los geht. Ein neuer Unterwasseranstrich steht an, der Rumpf soll poliert und wenn das Boot eh an Land steht, ein genereller Check von Ruder und Antrieb durchgeführt werden. Alles Tätigkeiten, die normalerweise im Winterlager erledigt werden, aber da wir nun zwei Winter im Wasser gelegen haben, wird es nun höchste Zeit.

Jetzt aber erst einmal Weserabwärts nach Bremerhaven und ab in unser „Heimatrevier“, das Wattenmeer und die ostfriesischen Inseln. Auf dem ersten Teilstück der Weser begleitet uns noch ein Kollege mit seinem Motorboot, Freunde und Familie stehen verstreut am Ufer und winken, am „Mäuschenturm“ in der Überseestadt hat eine Freundin sogar ein Plakat am Geländer angebracht.

Auf Höhe Vegesack beginnt dann das große Zickzack-Fahren und Winken: in Vegesack stehen die ersten Kollegen, also ab an das rechte Weserufer. Direkt hinter dem Fähranleger Lemwerder und später am Werftgelände selber dann weitere Kollegen am linken Ufer, in Aumund dann wieder am rechten Ufer. Wir sind total überwältigt, wie viele Kollegen unsere Abfahrt in Bremen über AIS verfolgt haben, um dann pünktlich bei unsere Vorbeifahrt zum Winken raus zu kommen bzw. die Fenster zu öffnen. Vermutlich hat der bekannte „Werftfunk“ dann sein Übriges getan… Das Schiffshorn tönt und es wird gewunken. Ein wenig wehmütig sind wir schon, so viele nette Menschen auf der Werft kennengelernt zu haben und dort jetzt vorbei zu fahren.

Nach einer Nacht in Bremerhaven geht es am zweiten Tag nach Wangerooge. Vor Anker vor Wangerooge Ost (traumhaft schön!) geht aufgrund der angesagten Windrichtung leider nicht, aber der Hafen ist auch sehr nett und lohnt immer wieder einen Besuch! Bei Flut sind die den Hafen schützenden Steinmolen fast vollständig überspült und man hat einen freien Blick auf das friedliche Wattenmeer.

Am dritten Tag dann Spiekeroog, unsere absolute Lieblingsinsel! Ein Stopp hier ist für uns ein absolutes Muss, am liebsten mögen wir die Lagune am Westende der Insel. Der Wind passt, also rein in die Lagune. Der Anker fällt auf feinem Sand. Nach einiger Zeit liegen wir dann trocken und brechen auf zu einem ausgedehnten Spaziergang über die, der Lagune vorgelagerten, Sandbank. Am Abend wird gegrillt und später noch am Strand ein Bierchen getrunken. Es kommt schon fast ein wenig Südsee-Feeling auf, wäre es nur nicht so frisch.

Beim Aufschwimmen im Dunkeln haben wir eine unangenehme kleine Welle in die Lagune stehen, die seitlich auf die KISS trifft. Mit jeder Welle hebt der Backbord Rumpf ab, um dann feinen Augenblick später wieder auf den harten Sand zu prallen. Es donnert richtig im Rigg – wir zucken bei jedem aufsetzen zusammen. Schnell ist der Entschluss gefasst, weiter draußen im tiefen Wasser vor Anker zu gehen. Die Zeit, bis genug Wasser da ist und wir schwimmen vergeht quälend langsam. Wir fragen uns, ob das Boot das aushält. Zum Glück haben wir unseren GPS-Track abgespeichert, so können wir im stockdüsteren Wattenmeer auch ohne beleuchtete Tonnen in tiefes Wasser verholen. Den Heckanker trauen wir uns dann aber doch nicht im Dunkeln einzuholen, er wird mit einem Fender markiert und am nächsten Vormittag mit dem Beiboot eingesammelt.

Unsere vierte und letzte Nacht im Wattenmeer verbringen wir auf Norderney, bevor es dann unter Juist lang und über die Osterems raus auf die Nordsee geht. Hinter Borkum biegen wir dann ab in die Ems und segeln in Richtung Emden, wo wir spätabends ankommen und im Außenhafen festmachen. Am nächsten Morgen dann noch durch die Nesserlander Schleuse und ab in Richtung Borssumer Hafen, wo wir am Werftsteg festmachen, bevor es dann in einigen Tagen an Land geht. Wir ahnen noch nicht, dass alles viel länger dauern wird, als gedacht…

2 Gedanken zu “Abschied aus Bremen”

  1. Buenos Dias,
    ich bin ein Vereinssegelkamerad eures Schwieger-(Vaters) im SCRS. Ich verfolge euch schon einige Zeit. Möge euer Vorhaben so gelingen wie ihr euch das vorstellt.
    Ich wünsche euch eine gute Reise und gute Erlebnisse.
    Walter

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