Auf Erkundungstour an der Algarve

Wenn man an die Algarve denkt, fallen einem zunächst die wunderschönen Sandstrände und die atemberaubendem Felsklippen an der Südküste Portugals ein. Tatsächlich aber bezeichnet die Algarve die gesamte südliche Region und hat mit dem Fóia sogar einen 902m hohen Berg zu bieten!

Um die Algarve auch abseits der Küstenstreifen und Häfen erkunden zu können, nehmen wir uns einen Mietwagen. Zunächst einmal geht es aber nach Faro zu Ikea – wir brauchen noch ein paar Kleinigkeiten für an Bord. Anschließend geht es weiter nach Tavira, einer kleinen und ursprünglichen Stadt mit portugiesischem Charme am Ufer des Flusses Gilão. Oberhalb der Stadt thront eine kleine Burganlage, die mittlerweile aber eher ein Park mit wunderschön blühenden Blumen ist. Von hier aus geht es, nachdem wir den Ausblick bewundert haben, durch Gassen und über kleine Plätze, an den traditionellen Fliesenhäusern vorbei bis zum Fluss hinunter.

Der Fluss mündet im Naturpark Ria Formosa, hier fühlen wir uns mit den Salzwiesen, dem Schlick und den Prielen, durch die das Wasser kräftig strömt, schon fast heimisch. Das Wattenmeer der Nordsee sieht auf jeden Fall sehr ähnlich aus! Über einen langen Damm laufen wir auf die vorgelagerte Insel Ilha de Tavira mit seinen kilometerlangen Sandstränden. Hier haben früher Fischer gelebt und von hier aus die großen Thunfisch-Netze ausgebracht. An die alten Zeiten erinnert neben den Wohn- und Arbeitsgebäuden noch der Ankerfriedhof: hier liegen über 200 alte Stockanker in den Dünen, fein säuberlich aufgereiht und zum Teil schon gut verrostet. Kein Wunder, sie liegen seit 1964 hier. Früher wurden mit ihnen die ausgebrachten Thunfischnetze an Ort und Stelle gehalten – heute sind sie ein Relikt vergangener Zeiten, Thunfisch wird an der Algarve nicht mehr gefangen.

Am nächsten Tag fahren wir hoch in die Berge der Serra de Monchique. Hier lockt neben dem 902m hohen Aussichtsberg Fóia, von welchem man einen fantastischen Ausblick auf sowohl die Süd- und Westküste Portugals hat, das Bergdorf Monchique. Bevor wir aber nach Monchique fahren, gibt es zunächst einmal einen Mittagssnack auf dem Fóia – aus einem toll restaurierten alten Citroën Kleintransporter Typ H werden Sandwiches, Burger und andere Snacks verkauft. Dazu locken eine schöne Wiese mit kleinen Gartenstühlen und -tischen und ein fantastischer Ausblick auf die Südküste bis Portimão. Sogar die Marina, wo unsere KISS liegt, kann man am Horizont erahnen.

Später in Monchique bekommen wir das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben wäre. Der Ort strahlt eine Ruhe und Behaglichkeit aus, die Straßen und Häuser wirken, als wären sie seit den 60er Jahren unverändert. Lediglich das ein oder andere moderne Auto zwischen den zuhauf vorhanden alten Autos erinnert einen daran, dass wir 2022 haben. Sehenswürdigkeiten als solche gibt es in Monchique nicht, wir lassen uns ein wenig durch die Gassen treiben, genießen die Abwesenheit des touristischen (im Gegensatz zur Küste der Algarve) und trinken am Marktplatz einen Bica (den portugiesischen Espresso). Anschließend laufen wir dann noch zum alten Konvent hinauf, welches verlassen und verwildert im Wald oberhalb des Ortes thront. Die Natur erobert es sich seit Jahren erfolgreich zurück, nur die vordere Fassade ist noch gut sichtbar erhalten.

Zurück an die Küste geht es über gewundene Straßen durch dichte Eukalyptuswälder, gelegentlich unterbrochen durch Korkeichen. So richtig schnell kommt man nicht voran, aber das wollen wir ja auch gar nicht.

Zurück im flachen Tiefland fahren wir an einem ausgetrockneten Stausee vorbei. Acht Jahre Dürre haben ihre Spuren hinterlassen, auf dem Seeboden grasen Rinder. Uns wird ein wenig mulmig bei dem Anblick. Weiter unten im Tal, an der Talsperre, ist dann doch noch etwas Wasser im Stausee. Aber auch hier überwiegt das ungute Gefühl, dass die Region dringend Regen braucht. Haben wir uns bislang über den schönen Winter mit blauem Himmel und Sonnenschein gefreut, wird uns jetzt klar, dass es eigentlich viel zu wenig geregnet hat.

An unserem dritten und letzten Tag mit dem Mietwagen wollen wir an die Westküste fahren. Diese ist deutlich rauer als die Südküste, Häfen gibt es fast nicht. Auf unserer Fahrt mit der KISS entlang der portugiesischen Westküste haben wir von daher auch keinen Zwischenstopp gemacht. Das holen wir jetzt aber nach und machen als Erstes Halt an der Praia da Bordeira. Der Strand erstreckt sich in einer langgezogenen Bucht und ist über 500m breit. Richtige Sanddünen haben sich hier aufgebaut. Hinter dem Strand liegt eine kleine Lagune, von wo sich ein kleiner Fluss bis zur Küste durch den Sand windet. Es war die letzten Tage sehr windig und auch heute weht eine steife Brise. Hohe Wellen brechen sich deshalb am fast menschenleeren Strand, der Ausblick von einer Klippe am südlichen Ende des Strandes ist rau und schon fast abenteuerlich.

Über kleine Wege laufen wir an den Klippen entlang nach Süden. Auch hier brechen sich immer wieder die Wellen, Gischt spritzt meterweit in die Höhe. Die Geräuschkulisse ist beeindruckend, die Brandungswellen am Strand überlagern sich mit den sich brechenden Wellen an den Klippen und an vorgelagerten Riffs; ein tiefes Grollen liegt über der Landschaft.

Wir fahren weiter an der Küste entlang und halten zum Mittagessen in Aljezur an. Der Ort wirkt reichlich unspektakulär und verlassen. Wir laufen ein wenig durch die Straßen und kommen schlussendlich am Marktplatz an. Kein Wunder, dass niemand auf den Straßen zu sehen war: der ganze Ort scheint sich hier zum Mittagessen versammelt zu haben! Kinder toben durch die Gegend, eine Straßenmusikerin singt portugiesische Lieder. Wir setzen uns dazu und bestellen uns Gegrilltes, der Duft vom Holzkohlegrill mitten auf dem Marktplatz ist einfach zu verlockend. Das Mittagessen schmeckt dann auch genauso gut, wie der Duft versprochen hat. Satt und zufrieden schauen wir dem bunten Treiben auf dem Marktplatz zu, bevor wir uns wieder in das Auto setzen und noch einen kleinen Abstecher in den Küstenort Odeceixe machen. Leider setzt am Nachmittag regen ein, weshalb wir nur einmal kurz durch den Ort und zum Strand laufen, bevor wir über Nebenstraßen zurück nach Portimão fahren.

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