Leuchtende Delfine – von Porto an die Algarve

Wir würden gerne länger in Porto bleiben, aber gute Windfenster sind an der portugiesischen Westküste derzeit rar und längere Strecken motoren mögen wir nicht so recht. Zumal es bis an die Algarve, wo wir den Winter verbringen wollen, über 300 Seemeilen sind. Lissabon läge zwar auf der Strecke, nach einer Woche in Porto brauchen wir aber erst einmal etwas Ruhe und beschließen daher, die Stadt im Winter vom Land aus zu erkunden.

Jetzt aber erst einmal los! Am frühen Abend lösen wir die Leinen in Porto, es weht eine leichte Brise und mit gemütlichen 4kn Fahrt segeln wir nach Süden. Leider nimmt der Wind im Laufe des Abends entgegen der Vorhersagen immer weiter ab, weshalb wir am Ende dann doch noch die Motoren anmachen und die Segel bergen. Anne übernimmt die erste Wache, Philipp geht es nicht so gut.

Der Himmel ist sternenklar, Sternschuppen fallen vom Himmel, das Wasser ist voller Plankton. Überall glitzern die Wellen, der Bug der KISS zerschneidet das Wasser mit einem Leuchten. Dann taucht an Steuerbord plötzlich etwas Großes, leuchtendes auf und bewegt sich schnell auf die KISS zu. Im Näherkommen wird klar, dass es ein Delfin ist. Seine Kontur leuchtet neongrün, ein wenig wie bei Schwarzlicht, und jedes Mal, wenn er aus dem Wasser auftaucht, verschwindet die leuchtende Kontur an der Oberfläche. Ein faszinierendes Schauspiel!

Kurze Zeit später dann leuchtet das Wasser großflächig um uns herum auf – große Fischschwärme schwimmen um die KISS und jeder einzelne Fisch wird vom Plankton erleuchtet. Die Delfine lassen dann auch nicht lange auf sich warten und eröffnen die Jagd. Blitzschnell schießen sie hervor, schwimmen Haken, springen aus dem Wasser – und der Fischschwarm probiert immer wieder, den mittlerweile ca. 15 Tieren auszuweichen. Durch das Plankton kann man jeden Delfin und den Fischschwarm gut sehen, alles leuchtet. Und mittendrin die KISS, die ebenfalls wie verrückt leuchtet und zu der die Delfine immer wieder zurückkehren, um mit dem Bug mitzuschwimmen, bevor der nächste Angriff auf den Fischschwarm startet.

So ein beeindruckendes Naturschauspiel haben wir auf dem Wasser noch nicht erlebt, an Schlaf ist nicht zu denken. Gute 1,5 Stunden dauert das Spektakel, dann drehen die Delfine ab und das Plankton lässt allmählich in seiner Leuchtkraft nach. Fotos haben wir leider keine gemacht, wir waren vollauf damit beschäftigt, den Delfinen zuzugucken.

Am nächsten Vormittag, Philipp geht es immer noch nicht besser und der Wind lässt immer noch auf sich warten, beschließen wir, einen Zwischenstopp in São Martinho do Porto einzulegen. Die Ankerbucht ist von See kommend fast nicht auszumachen, nur ein schmaler Durchgang in den Klippen deutet an, dass hier ein geschützter Ankerplatz ist. Die Bucht öffnet sich hinter der Einfahrt zu einem fast perfekten Halbkreis. Die Wassertiefe reicht für die KISS gerade so aus, wir sind das einzige Segelboot vor Anker. Einige Fischerboote liegen näher am Ort an Mooringbojen, dort ist es aber eindeutig zu flach für uns!

São Martinho do Porto ist ein hübscher, kleiner Fischerort, ohne viel Tourismus. Perfekt für einen kurzen Spaziergang am späten Nachmittag. Die Nacht verläuft ruhig und am nächsten Vormittag frischt der Wind dann endlich auf! Wir müssen allerdings noch bis zum Hochwasser am Nachmittag warten, bei Niedrigwasser ist die Einfahrt für uns zu flach. Außerdem brechen sich einige Welle gut sichtbar in der Einfahrt, da möchten wir jetzt nicht unbedingt durchfahren.

Bei Hochwasser bricht sich die Welle direkt in der Einfahrt dann tatsächlich nicht mehr, dafür aber die weiter draußen immer noch. Ein Blick auf die Seekarte verrät uns, dass man sich hinter der Einfahrt erst einmal nach Norden halten muss, um die brechenden Wellen zu umgehen, dort gibt es einen ausreichend tiefen Kanal. Wir holen den Anker auf und fahren mit einem etwas flauen Gefühl los. Einmal um die Felsnase der Einfahrt herum, ist es dann tatsächlich gar nicht so schlimm. Wir werden zwei-drei Mal von einer Welle angehoben, weiter nach Süden bricht dieselbe Welle jeweils in flacheren Gewässern, dann sind wir draußen.

Im Sonnenuntergang passieren wir unter Segeln die Ilhas Berlengas, die Felseninseln tauchen schroff aus dem Wasser auf, dahinter leuchtet der Himmel orange-rot. Delfine begleiten uns ein Stück, die See ist ruhig. So macht Segeln richtig Spaß!

Nach einer ereignislosen Nacht zieht am nächsten Morgen leichter Nebel auf, wir segeln mit einem wachsamen Blick auf das Radar weiter. Ein Zwergwal taucht einmal kurz in Sichtweite der KISS auf, Booten begegnen wir keine. Gegen Mittag löst sich der Nebel auf, die Dünung ist angenehm und wir segeln bei 3-4 Windstärken immer weiter nach Süden.

In der Nacht frischt es dann weiter auf, wir rauschen nun mit 8kn der Algarve entgegen und umrunden in den frühen Morgenstunden das Cabo Sao Vicente, den südwestlichsten Punkt Europas! Hinter dem Kap flaut der Wind ab, bei den nördlichen Winden sind wir hier in der Landabdeckung Portugals. Die letzten Meilen motoren wir und gehen pünktlich für ein spätes Frühstück in der Lagune von Alvor vor Anker. Die Luft ist warm und riecht würzig, der Himmel strahlendblau, das Wasser klar. Nachdem es in Porto schon etwas kühler war, ist der Sommer nun zurück. Besser kann ein erster Eindruck nicht sein!

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