Papierkram

Mit dem „Papierkram“ kann man leider gar nicht früh genug anfangen, wie wir beim Sichten der Kündigungsfristen und der Menge an Verträgen etc., die man so hat, lernen mussten. Um den Überblick nicht zu verlieren, haben wir eine Liste mit allen Verträgen, An-/Ab-/Ummeldungen sowie Anträgen erstellt. Solch eine Liste ist sicherlich sehr individuell, bei uns war sie grob wie folgt geclustert:

  • Arbeitgeber
  • Behörden
  • Banken
  • Wohnung u. Versorgung
  • Versicherungen
  • Vereine
  • Themen rund um die KISS

Ergänzt wurde sie dann um die jeweilige Aktion (beantragen, kündigen, an-/ab-/ummelden…) und einen Zieltermin zur Sortierung. Einige der „interessanteren“ Themen haben wir für euch kurz zusammengefasst:

Arbeitgeber

Wir sind von vielen gefragt worden, ob wir unsere Jobs kündigen – ja, werden wir. Gekündigt wird zwar erst entsprechend der Kündigungsfrist kurz vor Abfahrt, informiert haben wir unseren Arbeitgeber (wir sind bzw. waren in der gleichen Firma) aber mit ca. einem 3/4 Jahr Vorlauf. Anfangs fühlte es sich etwas komisch an, dass alle wussten, dass wir bald kündigen werden. Insgesamt gab es aber nur positive Reaktionen und hatten wir keine Nachteile durch die frühe Bekanntgabe.

Behörden

Die wichtigste Entscheidung, die wir treffen mussten, war die der Abmeldung aus Deutschland. Mit der Abmeldung ändern sich einige Randbedingungen, u.a. bei der gesetzlichen Krankenkasse, der Reisekrankenversicherung und bei Kündigungsfristen (Stichwort Sonderkündigungsrecht).

Wir haben uns für eine Abmeldung aus Deutschland entschieden, da wir für uns keine Vorteile darin gesehen haben, gemeldet zu bleiben. Außerdem werden wir uns für gewöhnlich nicht mehr in Deutschland aufhalten, insofern ist es auch nur „richtig“, sich abzumelden. Wir verlieren hierdurch zwar unseren Anspruch auf Leistungen aus den Sozialversicherungen, sehen dies aber weniger kritisch.

  • Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt im außereuropäischen Ausland ohnehin keine Leistungen, hierfür haben wir eine Reisekrankenversicherung (die im Übrigen auch in den Beiträgen deutlich günstiger als die GKV ist).
  • Die Pflegeversicherung bleibt uns über eine Anwartschaft bei der GKV erhalten.
  • Die fehlenden Zeiten bei der Rentenversicherung sind unseres Erachtens vernachlässigbar, wobei eine freiwillige Einzahlung möglich wäre.
  • Bleiben noch die gesetzliche Unfallversicherung, welche im Ausland ohnehin nicht gültig ist sowie die Arbeitslosenversicherung (wobei wir ja unsere Jobs gekündigt haben und vom Erspartem leben – somit auch überflüssig).

Weitere Nachteile einer Abmeldung sind u.a. etwaige Schwierigkeiten bei Abschluss von neuen Verträgen in Deutschland (wobei wir dies in den kommenden Jahren ohnehin nicht planen), Einschränkungen bei der Wahl der Reisekrankenversicherung (hier gibt es aber auch ausreichend Anbieter, die keinen Wohnsitz in Deutschland voraussetzen) sowie beim Wahlrecht.

Dem gegenüber stehen die Vorteile des sofortigen Austritts aus der GKV (ansonsten erst mit dem Verlassen Europas möglich) sowie eines Sonderkündigungsrechts bei diversen Anbietern (Telefon, Versicherungen…).

Die Abmeldung des Wohnsitzes in Deutschland hat übrigens innerhalb von zwei Wochen nach Auszug aus der Wohnung zu erfolgen.

Banken

Da wir ohnehin schon unser gesamtes Banking über eine Onlinebank (DKB) abwickeln, brauchen wir hier nichts weiter zu tun, außer die neue Postanschrift mitzuteilen. Die DKB stellt uns eine Visa Kreditkarte zur Verfügung, mit der weltweit kostenlos Bargeld abgehoben werden kann (bereits ausgiebig erprobt, funktioniert hervorragend).

Die Postanschrift ist, im Gegensatz zur Meldeadresse, lediglich die Anschrift, an die sämtliche Post zugestellt wird (in unserem Fall die der (Schwieger-)Eltern). Gemeldet sein muss man hier nicht, hauptsache, die Post kommt an.

Wohnung u. Versorgung

Unsere Wohnung haben wir mit der entsprechenden Kündigungsfrist zu Ende April gekündigt, die letzten zwei Wochen vor unserer Abfahrt Mitte Mai werden wir bereits an Bord leben und von dort die letzten Vorbereitungen treffen.

Darüber hinaus haben wir sämtlichen Versorgern gekündigt, so wie bei einem normalen Umzug größtenteils auch. Hierzu gehören in unserem Fall die GEZ (Formulare hierfür gibt es online), Strom und Telefon. Da wir bei letzterem außerordentlich kündigen, müssen wir hier eine Abmeldebestätigung nachreichen.

Versicherungen

Einen Großteil unserer Versicherungen mussten wir kündigen, da die Versicherungen im Ausland entweder nicht oder nur beschränkt gültig sind, einen Wohnsitz im Inland erfordern oder schlicht nicht zu unserer neuen Lebenssituation passen. An die Stelle der alten Versicherungen treten größtenteils neue Versicherungen mit entsprechenden Bedingungen, oder aber die Risiken werden über andere Versicherungen mit abgedeckt.

Da die Versicherungsbedingungen sehr individuell sind, mussten wir für jede Versicherung das Kleingedruckte aufmerksam lesen und z.T. auch bei den Versicherungsanbietern direkt nachfragen. Am Ende sah unsere To-Do-Liste dann so aus:

Haftpflichtversicherung: vorhandene Versicherung kündigen und neuen Anbieter auswählen. Viele Haftpflichtversicherungen sind leider nicht weltweit gültig und setzen einen Wohnsitz in Deutschland voraus, so auch unser bisheriger Anbieter. Neu werden wir uns wohl entweder über die WGV, VHV (Vertragsabschluss über die DIA) oder Helden versichern.

Hausratversicherung: vorhandene Versicherung kündigen. Eine neue Versicherung ist nicht notwendig, da die Kaskoversicherung der KISS persönliche Effekte mit abdeckt. Unseren übrigen Hausrat verkaufen wir größtenteils und lagern nur einige persönliche und liebgewonnene Gegenstände bei unseren Eltern ein.

Reisekrankenversicherung: vorhandene Versicherung kündigen, da diese eine zeitliche Begrenzung des Auslandsaufenthaltes hatte (bis zu 56 Tage am Stück) und obendrein einen Wohnsitz in Deutschland voraussetzt. Mehr zur Auswahl einer neuen Reisekrankenversicherung findet ihr hier.

Kaskoversicherung der KISS: die vorhandene Versicherung bietet eine weltweite Abdeckung an und war auch nach einem Vergleich mit diversen anderen Anbietern vom Preis-/Leistungsverhältnis unsere erste Wahl. Hier lohnte sich definitiv der Vergleich, da sowohl Leistungsumfang als auch der Beitragssatz sehr stark variierten. Viele Anbieter schließen außerdem einzelne Gebiete (Panama mit Ausnahme des Panama-Kanals, Afrika inkl. vorgelagerter Inseln, Straße von Malakka, Haiti, DomRep…) komplett aus oder beschränken sich auf Deutschland/Europa.

Über den Anbieter der Kaskoversicherung haben wir eine Haftpflichtversicherung für das Boot abgeschlossen. Auf eine Unfall- und Rechtsschutzversicherung haben wir verzichtet, letzte würde ohnehin nur in Europa gelten.

Vereine

Unsere diversen Vereinsmitgliedschaften haben wir größtenteils gekündigt, übrig bleiben lediglich die Mitgliedschaften im Deutschen Segler-Verband (DSV) und in unserem Segelverein, dem Wassersportverein Niedervieland (WVN) in Bremen, dessen Stander nch wie vor unter der Backbord Saling weht. Zur Sicherheit haben wir einen Reserve-Vereinsstander bekommen, falls der erste durch Sonne und Salz kaputt geht.

Themen rund um die KISS

Für die KISS haben wir ein Flaggenzertifikat beim BSH in Hamburg beantragt. Dieses wird für Boote unter 15m ausgestellt und dient als Nachweis zum Führen der deutschen Flagge. Ob und wann dies jemals kontrolliert wird, bleibt abzuwarten. Der Antrag ist etwas umfangreicher und umfasst u.a. Bilder des fest montierten Bootsnamen an Bug und Heck, des Heimathafens am Heck, Nachweise über technische Daten, den Kaufvertrag, ggf. die Zuteilungsurkunde (Ship Station Licence) usw. Am Ende war es dann aber alles gar nicht so schwierig und die größte Herausforderung bestand darin, die Plaketten mit den Motorennummern zu finden und zu fotografieren (sind ziemlich gut versteckt seitlich unter den Motoren zu finden).

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