Kärcher DIY Wassermacher

Zwischenfazit 11/2021 nach drei Monaten Betrieb am Ende des Textes –

Jeder Langfahrtsegler wird sich die Frage stellen müssen, ob er einen Wassermacher haben möchte oder nicht. Die Vorteile liegen unseres Erachtens auf der Hand: eigenständig und nach Bedarf Trinkwasser aus Sonne und Wind erzeugen, keine Plastikkanister/-Flaschen an Bord schleppen und verstauen, kein Problem mit der Entsorgung der Kanister/Flaschen… Dem gegenüber stehen der Anschaffungspreis, der benötigte Platz und natürlich ein weiteres System, welches gewartet werden muss und vermutlich auch irgendwann mal kaputt gehen wird.

Damit wir im Falle eines kaputten Systems in der Lage sind, dieses möglichst selber zu reparieren (und weil es auch günstiger in der Anschaffung ist), haben wir für uns für eine Kärcher DIY Lösung entschieden. Unser Wassermacher produziert mit zwei Membranen ca. 90l/h und verwendet als Hochdruck-Pumpe einen handelsüblichen Kärcher. Die benötigten 220V stellt ein Wechselrichter von Victron (12/3000) zur Verfügung.

Im Grundsatz ist der Aufbau einer Wassermachers recht simpel: das Seewasser wird durch eine 12V Vorpumpe angesogen, durchläuft eine Filtereinheit mit Grob- und Feinfiltern und wird anschließend vom Kärcher mit Hochdruck durch die Membranen gedrückt. Am anderen Ende kommt Süßwasser und das sogenannte „Brine“ (Salzwasser) an. Die Membranen selber funktionieren nach dem Prinzip der Umkehr-Osmose.

Da in der Realität dann doch nicht alles so simpel ist, wie es sich im ersten Moment anhört, kommen dann noch diverse Ventile, die Druckeinheit (zum Regeln des Drucks im System), Durchflussmesser, ein Süßwasserverteiler und die Elektrik dazu. Aber Schritt für Schritt…

Das Seewasser wird durch ein Seeventil in der Bilge des Steuerbordrumpf angesogen und läuft anschließend durch das erste Zwei-Wege-Ventil (links im Bild) entweder in das Wassermachersystem oder aber in die Spülung der Bordtoilette (mit Rückschlagventil). Wir wollten kein zweites Seeventil einbauen und haben uns deshalb für diese Lösung entschieden. Vom ersten Zwei-Wege-Ventil läuft das Seewasser anschließend in ein zweites Zwei-Wege-Ventil (mittig im Bild). Hier kann man von Seewasser auf „Süßwasser im Kreis Spülen“ umstellen, wenn man das System reinigen oder konservieren möchte. Unten rechts leicht versteckt ist die 12V-Vorpumpe.

Seeventil und Wasserverteilung

Von der 12V Vorpumpe aus wird das Wasser in die Vorfilter-Einheit gepumpt. Hier können drei unterschiedliche Grob- und Feinfilter eingesetzt werden. Anschließend läuft das Wasser direkt in den Kärcher und von dort zunächst in die erste und dann in die zweite Membran. Die Filtereinheit, der Kärcher und die Membranen befinden sich unter der Steuerbord Koje. Die Druckröhren für die Menbranen haben wir von unten mit großen Rohrschellen am Unterbau der Koje befestigt, die Filtereinheit und der Kärcher stehen (zur Sicherheit) in Plastikkisten unter der Koje.

Am Ende der Membranen ist jeweils ein Abgang für das erzeugte Süßwasser, welches von hier (drucklos) in die Süßwasserverteilung geht. Hierfür haben wir einen Gartenschlauch-4-Wege-Verteiler unter dem Waschbecken in der Nasszelle montiert. Von hier geht dann ein Schlauch direkt in den Wassertank, ein anderer liegt lose in der Bilge zum Befüllen von Kanistern o.ä.. Die anderen beiden Auslässe haben wir derzeit nicht in Gebrauch.

Zusätzlich zum Süßwasser ist an den Enden der Membranen je ein Ablauf für die „Brine“, wobei der erste Ablauf gleichzeitig der Zulauf für die zweite Membran ist. Aus der zweiten Membran geht die „Brine“ dann (unter Druck) bis unter das Waschbecken und hier dann in eine Druckeinheit (bestehend aus einem Nadel- und einem Sicherheitsventil sowie einem Manometer zum Messen des Drucks). Am Nadelventil kann, sobald der Kärcher läuft, der Druck langsam erhöht werden, bis an den Membranen Süßwasser produziert wird. Das Sicherheitsventil haben wir im Vorfeld ohne eingesetzte Membranen so eingestellt, dass es bei zu viel Druck auslöst und die Membranen somit nicht beschädigt werden können. Hinter der Druckeinheit läuft die „Brine“ drucklos durch einen Gartenschlauch in das Waschbecken und von dort über Bord.Letzteres spart uns einen weiteren Borddurchlass.

Zum Spülen oder Konservieren des Systems liegt in der Bilge unter dem Waschbecken ein loser Schlauch, dieser kann bei Gebrauch einfach in einen Kanister gesteckt werden und saugt von dort das Süßwasser oder die Konservierungsflüssigkeit an.

Bleibt nur noch die Elektrik! Hier gibt es zum einen die 12V Versorgung für die Vorpumpe mit Schalter (an/aus) und eine 230V Steckdose für den Kärcher, die über ein Solid State Relais (SSR) geschaltet und über einen Leistungsregler mit abgesetztem Potentiometer hochgeregelt wird. Die einzelnen Komponenten haben wir direkt neben dem 12V-Sicherungskasten im Steuerbordrumpf montiert (befindet sich hinter einem Schrank), die Schalter und der Poti befinden sich ganz oben im Schrank selber und sind dort leicht zugänglich. Außerdem kann man von dort sowohl die Installation unter dem Waschbecken als auch unter der Koje im Blick behalten – falls mal was passieren sollte.

Fazit nach drei Monaten Betrieb (11/2021):

Der Wassermacher läuft seit drei Monaten problemlos, wir lassen ihn in der Regel 1-1,5 Stunden laufen. Die Lautstärke des Kärcher ist ok wenn man sich draußen aufhält, im Salon und im Steuerbordrumpf kann man sich für Boatwork, Putzen, Kochen & Co aufhalten. Bei einem Druck von 55 bar liegt die produzierte Wassermenge bei ca. 1,8l/min, wobei wir die ersten 20l zum Rückspülen des Systems in einem Kanister füllen.

Die Installation der Filtereinheit unter der Steuerbord Koje ist unpraktisch und wird im Winter umgebaut. Zum Filtertausch oder Entlüften muss man doch häufiger als gedacht an die Filtereinheit und die Zugänglichkeit unter dem Bett ist hierfür, insbesondere bei etwas Seegang, nicht optimal. Außerdem muss jedes Mal das Werkzeug, welches hier gestaut ist, ausgeräumt werden. Die Filtereinheit soll in die Backskiste verlegt werden.

Außerdem ist uns beim Segeln aufgefallen, dass der Einlass neben dem Kiel gelegentlich etwas Luft zieht. Das passiert immer dann, wenn der Steuerbord Rumpf vorne aus der Welle austaucht. Daher soll vor den Filtern noch ein automatischer Entlüfter installiert werden, sodass die Luft erst gar nicht in den Filter gelangen kann.

Da der Kärcher neben den Geräuschen auch Wärme produziert, die unter dem Bett schlecht entweichen kann, überlegen wir den Kärcher in den Steuerbord Maschinenraum zu verlegen. Dadurch wird die Zugänglichkeit verbessert und wir haben mehr Stauraum unter der Koje gewonnen. Die vorhandenen Schläuche sind hierfür lang genug.

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