Kärcher DIY Wassermacher

Jeder Langfahrtsegler wird sich die Frage stellen müssen, ob er einen Wassermacher haben möchte oder nicht. Die Vorteile liegen unseres Erachtens auf der Hand: eigenständig und nach Bedarf Trinkwasser aus Sonne und Wind erzeugen, keine Plastikkanister/-Flaschen an Bord schleppen und verstauen, kein Problem mit der Entsorgung der Kanister/Flaschen… Dem gegenüber stehen der Anschaffungspreis, der benötigte Platz und natürlich ein weiteres System, welches gewartet werden muss und vermutlich auch irgendwann mal kaputt gehen wird.

Damit wir im Falle eines kaputten Systems in der Lage sind, dieses möglichst selber zu reparieren (und weil es auch günstiger in der Anschaffung ist), haben wir für uns für eine Kärcher DIY Lösung entschieden. Unser Wassermacher produziert mit zwei Membranen ca. 90l/h und verwendet als Hochdruck-Pumpe einen handelsüblichen Kärcher. Die benötigten 220V stellt ein Wechselrichter von Victron (12/3000) zur Verfügung.

Im Grundsatz ist der Aufbau einer Wassermachers recht simpel: das Seewasser wird durch eine 12V Vorpumpe angesogen, durchläuft eine Filtereinheit mit Grob- und Feinfiltern und wird anschließend vom Kärcher mit Hochdruck durch die Membranen gedrückt. Am anderen Ende kommt Süßwasser und das sogenannte „Brine“ (Salzwasser) an. Die Membranen selber funktionieren nach dem Prinzip der Umkehr-Osmose.

Da in der Realität dann doch nicht alles so simpel ist, wie es sich im ersten Moment anhört, kommen dann noch diverse Ventile, die Druckeinheit (zum Regeln des Drucks im System), Durchflussmesser, ein Süßwasserverteiler und die Elektrik dazu. Aber Schritt für Schritt…

Das Seewasser wird durch ein Seeventil in der Bilge des Steuerbordrumpf angesogen und läuft anschließend durch das erste Zwei-Wege-Ventil (rechts im Bild) entweder in das Wassermachersystem oder aber in die Spülung der Bordtoilette. Wir wollten kein zweites Seeventil einbauen und haben uns deshalb für diese Lösung entschieden. Vom ersten Zwei-Wege-Ventil läuft das Seewasser anschließend in ein zweites Zwei-Wege-Ventil (mittig im Bild, hier fehlt aber noch die Schlauchverbindung zur 12V Vorpumpe (leicht versteckt oben links im Bild). Hier kann man von Seewasser auf „Süßwasser im Kreis Spülen“ umstellen, wenn man das System reinigen oder konservieren möchte.

Seeventil und Wasserverteilung

Von der 12V Vorpumpe aus wird das Wasser in die Vorfilter-Einheit gepumpt. Hier können drei unterschiedliche Grob- und Feinfilter eingesetzt werden. Anschließend läuft das Wasser direkt in den Kärcher und von dort zunächst in die erste und dann in die zweite Membran. Die Filtereinheit, der Kärcher und die Membranen befinden sich unter der Steuerbord Koje. Die Druckröhren für die Menbranen haben wir von unten mit großen Rohrschellen am Unterbau der Koje befestigt, die Filtereinheit und der Kärcher stehen (zur Sicherheit) in Plastikkisten unter der Koje.

Am Ende der Membranen ist jeweils ein Abgang für das erzeugte Süßwasser, welches von hier (drucklos) in die Süßwasserverteilung geht. Hierfür haben wir ein Gardena 4-Wege-Verteiler unter dem Waschbecken in der Nasszelle montiert. Von hier geht dann ein Schlauch direkt in den Wassertank, ein anderer liegt lose in der Bilge zum Befüllen von Kanistern o.ä.. Zwei weiterere Schläuche zum Spülen des Systems liegen ebenfalls lose in der Bilge unter dem Waschbecken. Ein Schlauch saugt das Süßwasser oder die Konservierungsflüssigkeit aus einem Kanister an, der andere dient als Abfluss und wird lose in das Waschbecken gelegt (wir wollten keinen separaten Borddurchbruch für den Wassermacher einbauen, die Schläuche lose in das Waschbecken zu legen funktioniert gut, auch wenn es vielleicht etwas weniger elegant ist).

Zusätzlich zum Süßwasser ist an den Enden der Membranen je ein Ablauf für die „Brine“, wobei der erste Ablauf gleichzeitig der Zulauf für die zweite Membran ist. Aus der zweiten Membran geht die „Brine“ dann (unter Druck) bis unter das Waschbecken und hier dann in eine Druckeinheit (bestehend aus einem Nadel- und einem Sicherheitsventil sowie einem Manometer zum Messen des Drucks). Am Nadelventil kann, sobald der Kärcher läuft, der Druck langsam erhöht werden, bis an den Membranen Süßwasser produziert wird. Das Sicherheitsventil haben wir im Vorfeld ohne eingesetzte Membranen so eingestellt, dass es bei zu viel Druck auslöst und die Membranen somit nicht beschädigt werden können. Hinter der Druckeinheit läuft die „Brine“ drucklos über das Waschbecken über Bord.

Bleibt nur noch die Elektrik! Hier gibt es zum einen die 12V Versorgung für die Vorpumpe mit Schalter (an/aus) und eine 230V Steckdose für den Kärcher, die über ein Solid State Relais (SSR) geschaltet und über einen Leistungsregler mit abgesetztem Potentiometer hochgeregelt wird. Die einzelnen Komponenten haben wir direkt neben unserem Steuerbord-12V-Sicherungskasten montiert (befindet sich hinter einem Schrank), die Schalter und der Poti befinden sich ganz oben im Schrank selber und sind dort leicht zugänglich. Außerdem kann man von dort sowohl die Installation unter dem Waschbecken als auch unter der Koje im Blick behalten – falls mal was passieren sollte.

SSR und Leistungsregler auf der Wärmeleitplatte

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