Mallorca – der Süden

Die Querung der Bucht von Palma von West nach Ost beginnt gut, Groß und Genua ziehen uns mit 4 Knoten vorwärts. Nach 1,5 Stunden setzt dann aber wieder Ernüchterung ein – der Wind möchte sich mal wieder nicht an die Vorhersage halten! Wir dümpeln bei Flaute und spiegelglatter See südlich von Palma, nach El Arenal sind es noch 8 Seemeilen.

Fast, als wollten sie uns mit der Flaute versöhnen, taucht plötzlich eine Schule Delfine auf und begleitet die KISS. Da die Wasseroberfläche nur so ganz eben gekräuselt ist, kann man die Delfine richtig gut beobachten. Wir sitzen beide mit einem dicken Grinsen vorne im Netz und können uns gar nicht satt sehen! Die Sonnenstrahlen brechen sich auf der Wasseroberfläche und hinterlassen ein wunderschönes Muster auf den Delfinen. Schade, dass sie uns nach nur 20 Minuten wieder verlassen!

Der Ankerplatz etwas südlich vor El Arenal überrascht uns anschließend mit wunderschön türkisem Wasser und einer felsigen Küste mit nur vereinzelt sichtbaren Ferienwohnungen. Der eigentliche „Ballermann“ liegt weiter nördlich am langen Sandstrand, wir hingegen liegen wunderbar ruhig und abseits des Trubels.

In El Arenal kommt unsere Freundin Kira an Bord und setzen wir am nächsten Morgen wieder die Segel und nehmen Kurs auf den vorläufigen Höhepunkt unseres Mallorca-Aufenthalts: die (zumindest unter Seglern) berühmte Cala Pi. Wir kreuzen an der Küste entlang, zunächst nach Südost, um ein Kap herum und später dann nach Nordost. Der Wind bläst konstant von vorne, immer parallel zur Küste. Aber wir wollen uns nicht beschweren, immerhin bläst er!

Nach einem geglückten Küchensieb-über-Bord-Manöver unter Segeln, sind wir mächtig stolz auf uns (immerhin ist so ein Sieb schon ziemlich klein und schwimmt auch von selbst keinen Millimeter auf die KISS zu!). Den Wind hat unser Manöver wohl eher nicht beeindruckt, er schläft wieder ein und wir müssen die verbleibenden 1,5 Stunden motoren. Wenn das so weitergeht, ist unser Dieseltank bald leer!

In der Cala Pi angekommen, staunen wir nicht schlecht: steht doch in jedem Revierführer, dass diese winzige Bucht notorisch mit Booten überfüllt ist, finden wir sie komplett verlassen vor. Ganz entspannt können wir uns das schönste Fleckchen aussuchen, den Anker fallen lassen und die Landleine mit dem SUP ausbringen. Platz zum Swojen ist in dieser engen Bucht nicht, eine Landleine somit Pflicht, möchte man nicht irgendwann in den Felswänden hängen.

Die Cala Pi ist traumhaft schön: schmal schneidet sie in das Land ein, beidseitig sind steile Felswände und Wald, das Wasser ist von einem wunderbaren Türkis. Wir genießen die unverhofft einsame Idylle, bevor am nächsten Vormittag dann doch die ersten Boote eintreffen. Glück muss man einfach auch mal haben!

Zu Fuß erkunden wir dann noch die Cala Beltrán – im Revierführer ist sie als Ankerplatz verzeichnet, in der Realität ist sie noch viel kleiner als die Cala Pi und wohl eher für kleine Motorboote geeignet. Schön ist sie allemal, der Boden ist mit unzähligen Steinen bedeckt, die durch das klare Wasser durchschimmern.

Die zweite Nacht in der Cala Pi verbringen wir mit sieben anderen Booten, bevor wir am nächsten Vormittag die kurze Strecke zum Strand von Es Trenc motoren. Die Playa Es Trenc ist ein 5km langer, weißer Sandstrand, das Wasser leuchtet so türkis, dass man meinen könnte, in einem riesigen Pool zu ankern. Der Ankergrund besteht aus feinstem Sand, die Sonnenstrahlen brechen sich an den Wellen und malen ein wunderbares Muster auf den Boden. Ein perfekter Ankerplatz, wäre er nicht nach Süden hin komplett offen und daher nur bei nördlichen Winden geeignet.

Wir bleiben eine Nacht und verholen uns am nächsten Vormittag an das Ostende des Strandes, in die Nähe des Ortes San Jordi, um hier ein Eis essen zu gehen. Die Eisdiele war uns empfohlen worden und tatsächlich schmeckt es außerordentlich gut! Nach einem anschließenden kurzen Spaziergang durch den Ort gehen wir wieder Anker auf und kreuzen nach Süden zur Insel Cabrera auf.

Die KISS an der Playa Es Trench

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