Rías Baixas – der Norden

Nach einem obligatorischen Besuch am Leuchtturm vom Kap Finisterre holen wir nach nur einer Nacht vor Finisterre am späten Nachmittag den Anker auf – für die Nacht sind Starkwinde aus Süd und Gewitter angesagt. Würden wir hierbleiben, lägen wir völlig ungeschützt, die Bucht von Finisterre ist nach Süden hin offen. Wir planen, die Starkwinde 20 Seemeilen weiter südlich im Ría de Muros abzuwettern. Hier gibt es einen Strand am Punta Aguieira, welcher guten Schutz bei Südwinden verspricht.

Am Abend zieht dann tatsächlich das angekündigte Gewitter auf und frischt es auf. Bei prasselndem Regen und pfeifenden Böen erleben wir ein Gewitter, wie wir es so noch nie erlebt haben. Über Stunden wird unsere Umgebung immer wieder taghell erleuchtet, das dazugehörige Donnern ist unglaublich laut. Wir sitzen gebannt im Salon und gucken nach draußen. Irgendwann übermannt uns dann aber doch die Müdigkeit und krabbeln wir in die Koje.

Der nächste Tag beginnt grau und nass, am Nachmittag kommt dann aber die Sonne raus. Wir staunen nicht schlecht – so sauber war unser Deck nach einem Regenschauer noch nie. Eine praktische Sache! 

Auch die nächsten Tage sind überwiegend grau und nass, gelegentlich kommt für einige Stunden die Sonne raus. Wenigstens ist es warm, 20° und mehr zeigt das Thermometer an. Wir verholen nach Muros, um Einkaufen zu können und nutzen die Zeit für etwas Boatwork. Zwischendurch gibt es einen Kaffee mit der Crew des Nachbarboots und am Abend reicht das trockene Wetter sogar zum Grillen. In Summe gar nicht so schlecht, die Schietwetter-Tage in Galizien…

Im Hafen bzw. der Bucht von Muros lebt Manoliño, ein Delfin. Er ist überhaupt nicht scheu und liebt es, mit den Beibooten und den Ankerbojen zu spielen. Auch unsere Ankerboje fängt morgens plötzlich an, sich in immer größer werdenden Kreisen zu bewegen, unterzutauchen und dann wieder irgendwo an die Wasseroberfläche zu hüpfen. Dazu gesellt sich die Rückenflosse von Manoliño. Wir setzen uns mit unserem Kaffee auf das Vordeck und beobachten das Spiel. Später kommt er dann noch zur Badeplattform und lässt sich sogar streicheln. Der Delfin fühlt sich an wie festes, nasses Gummi. Gar nicht rau.

Zum Wochenende hin wollen wir einen Tagesausflug nach Santiago de Compostela unternehmen. Die beste Bahnverbindung gibt es ab Vilagarcía im Ría de Arousa, ab Muros fährt nur ein Bus. Da weiter südlich außerdem das Wetter besser sein soll, lichten wir den Anker und segeln aus dem regnerischen Ría de Muros hinaus und gehen auf Südkurs. Und tatsächlich, nach nur wenigen Seemeilen klart der Himmel auf und segeln wir bei bestem Wetter hoch am Wind in den Ría de Arousa, wo wir vor Vilagarcía vor Anker gehen.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, es ist noch dunkel und auf dem Deck glänzt der Tau, frühstücken und fahren mit dem Dinghi an Land, um den Zug nach Santiago de Compostela zu nehmen. Spät am Abend kommen wir wieder und fallen müde in unsere Koje.

Da unser Ankerplatz vor Vilagarcía eher praktisch als hübsch ist (auf der einen Seite liegt ein kleiner Industriehafen, daneben die Mole vom Yachthafen, der Strand ist dicht bebaut mit mehrstöckigen Häusern), lichten wir am nächsten Tag nach dem Frühstück den Anker und segeln einige wenige Seemeilen bis zur Isla de Arousa, einer bewaldeten Insel im Ría mit schönen Stränden. In der Ankerbucht ist viel los, die Boote liegen eng an eng vor Anker – kein Wunder, der Strand ist bildhübsch mit einem lichten Kiefernwald dahinter, das Wetter sonnig und warm und es ist Sonntag. An einem Großteil der Boote weht deshalb wohl auch die spanische Nationale. Pünktlich zum Abendessen lichtet sich dann aber das Ankerfeld und es bleiben nur einige wenige internationale Boote zurück. Bei bestem Wetter verbringen wir zwei entspannte Nächte vor der Isla de Arousa, gehen im Wald spazieren und folgen einem erhöhten Bohlenweg am Ufer entlang bis in den nächsten Ort. Unterwegs kommen wir an diversen kleinen Buchten mit Miniaturstränden vorbei, allesamt eingerahmt durch eine felsige Küste. Eigentlich müsste man an jedem dieser Strände anhalten und einmal kurz baden gehen!

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